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… dem zieh‘ ich seine Vorhaut über die Türklinke

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In einem anderem Leben hatte ich mal einen Chef, der eines Tages mit uns im Raucherraum stand. Er erzählte uns eine wahnsinnige Geschichte, in der er als Geschädigter hervorgegangen war (und die ein paar Zeiteinheiten später in ein kleines Lügenmärchen mutierte) und endete seinen Monolog mit einem „Wenn ich den erwische, dem ziehe ich seine Vorhaut über die Türklinke“.

Ich war seinerzeit bestürzt über diese Formulierung, zum einen weil sie weder meinem noch seinem eigentlichen Sprachgebrauch entsprach, wohl aber noch mehr, weil sich die bildliche Ausführung dieser Tat doch mehr als nur unangenehm darstellt. Gestern, als ich helfend in Berlin weilte, poppte eben diese Aussage aus den Tiefen meiner einfach strukturierten Gehirnwindung nach oben und hört sich nunmehr gar nicht mehr abstossend an, sondern wie ein gutes Vorhaben.

Vorangegangen war ein Telefonat mit der Finanzministerin, in dem sie mir sagte, dass man bei uns eingebrochen hat. Ich weiss, dass es viele Menschen gibt, die weit weniger Glück im Leben hatten als ich, so dass ich nicht pauschal einem Einbrecher die Pest an den Hals wünsche. Der oder die Personen haben bei uns, durch einen für sie sehr glücklichen Umstand reiche Beute gemacht und einen stattlichen Betrag an Bargeld erbeutet. Das an sich ist für uns natürlich mehr als nur ärgerlich. Aber gut. Unser Pech oder stark pauschalisiert auch unsere Dummheit. Nun gut.

Wo der Spass aber aufhört und ich zum Tier werde. ZUM TIER! Zum Wolverine! Ehrlich. Zu einem Wesen, was anderen Typen die Vorhaut über die Türklinke zieht und dann noch ein paar Schweissnähte setzt, nur um ganz sicher zu gehen, dass der Schmerz auch bleibend ist.

Die Drecksau hat also massiv Kohle mitgenommen – und trotzdem die Sparschweine der Kinder (mit ein lumpigen paar Euros Inhalt) nicht stehen lassen.

Ja, gibt es denn heuer überhaupt keine Ehre mehr? Pisser! Arschlöcher! Ich hoffe, das iPhone, was Du auch noch mitgenommen hast, beschert Dir einen langwierigen und schmerzhaften Strahlentod. Scheisstag!

8 Kommentare

  1. Habe gerade vor wenigen Tagen gelesen, dass Einbrüche in Deutschland wieder massiv zugenommen haben. Bulgaren sollen da ganz vorne dabei sein.
    Sehr ärgerlich sowas. Vor allem geht da ein Stück Vertrauen in die heimische Unversehrtheit verloren. Tut mir wirklich leid für Euch und vor allem für die Kinder.

  2. das ist nur übel! Bei uns wurde vor vielen Jahren auch mal eingebrochen, und die A* (Polizei meinte wahrscheinlich S*..) habe die Barbies unsere Tochter geklaut (und sonst nur Bargeld, zum Glück nur wenig da)

    Das greift wirklich das Urvertrauen an.

    Alles Gute trotzdem

  3. Wie Switchpack geschrieben, geht dabei das Stück Vertrautheit verloren. Ich wünsche euch aber, dass ihr da schnell wieder drüber kommt.

    Bei deinem iPhone war nicht zufälligerweise der Ortungsdienst eingeschaltet??

  4. Man lacht ja gerne über Menschen die sich im sog. paranoiden Wahn Stahltüren und aufbruchsichere Fenster verbauen lassen. Bis dann mal bei einem eingebrochen wird, dann lacht man nicht mehr. Tut mir wirklich leid für euch und vor allem für eure Kids. Ich denke die materiellen Güter lassen sich ersetzen, aber das Gefühl, das jemand fremdes in der eigenen Wohnung herumgewühlt hat, das wird wohl noch ne Weile bleiben.

  5. Ich hoffe Du hattest auf dem iPhone die „Find my iPhone“-App installiert und kannst jetzt genüsslich online nachverfolgen, wo das Teil ist (Neuinstallation ausgeschlossen).

  6. wir lassen etwas achtlos Hundeutensilien vor der Haustür – etwa einen Hundenapf mit Wasser drin – wir haben tatsächlich einen Hund, aber vielleicht ist gerade der Hundenapf ein Hinweis für die potentiellen Einbrecher, doch lieber das Nachbarhaus zu plündern…

  7. Als ich den Titel gelesen habe, dachte ich an einen Scherz. Zumindest in meinen hinterletzten Hirnwindungen. Aber als ich den ganzen Text gelesen habe musste ich doch kurz inne halten und nachdenken.

    Soweit dem so gut. Auf jeden Fall hätte ich jetzt in der Wohnung auch ein mulmiges Gefühl, und würde dem oder den Einbrechern nicht’s mehr als genau das wünschen.

    Ich hoffe für den oder die Einbrecher die es einmal bei uns versuchen, dass sie eben genau dies nicht versuchen. Könnte gefährlich werden.

    Hoffe die Kids kommen nicht mit einem psychologischen Schaden davon weil Ihr erspartes weg ist.

    Grüsse aus der Schweiz

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