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Hinterm Horizont

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gehts weiter. Ein neuer Tag. Jo. Ich brauchte ein paar neue Tage, um mich zu motivieren diese Zeilen hier zu verfassen. Ich höre Udo Lindenberg seit ich Musik höre. Und ich mag Udo Lindenberg. Bei Musicals bin ich mir nicht so sicher. Bislang habe ich es erfolgreich geschafft, Musicals aus dem Weg zu gehen. Das einzige Musical, was ich mag ist Hair in der Filmversion. Und vielleicht noch Blues Brothers, wenn man das als Musical bezeichnen mag.

Egal, wir hatten jedenfalls Karten für das Musical Hinterm Horizont und haben das auch gesehen. Und ich komme nicht umhin, meine Enttäuschung heraus zu kotzen. Die Karten für den Balkon in der dritten Etage lagen bei 90 EUR das Stück. Rundum hat der Abend für 2 Peronen als mal eben 200 EUR gekostet. Da baut sich schon eine gewisse Erwartungshaltung auf.

Das Licht wird gedimmt. Auf der Bühne tut sich etwas. Der Protagonist singt seine ersten Zeilen und postwendend wird die Erwartungshaltung wie mit einem Fallbeil kastriert. Die Musik so laut, dass man sich – dem selbstschützenden Instinkt folgend – die Ohren zuhält, der Gesang so seltsam übersteuert, dass es sich anhört als könne der Darsteller nicht wirklich singen. So meine ersten Eindrücke des Musicals. Da ist die Grundstimmung also schon mal im Eimer.

Und es tut mir leid, aber da kann ich auch null Nachsicht walten lassen. In einem Tempel (Theater am Potsdamer Platz), der eigens für Musicals ausgebaut ist. In dem nichts anderes als dieses Musical gezeigt wird, erwarte ich perfekten Klang – auf allen Plätzen. Auf jeden Fall aber auf einem Platz, der 90 Tacken kostet! Da fällt dann auch postwendend die schlechte Luft auf und dass die Knie die engen Stuhlreihen auch nach der ersten Stunde verdammen werden. Die Qualitöt des Tons wurde im Übrigen nicht besser. Man kann das nicht für alle Sänger sagen, aber bei einigen hatte ich immer wieder das Gefühl, dass die nicht in unserer Sprache singen.

Das Bühnenbild selbst fand ich schon ziemlich gut gemacht. Statt eines Vorhangs wurde viel mit einer Mauer gespielt. Diese dient auch immer wieder als Projektionsfläche für – teils historische, teils neuer – Filmausschnitte. Ein riesiger Udo-Hut steht immer wieder auf der Bühne und wird bei Bedarf an die Decke gezogen. Was das Bühnenbild angeht, kann ich der FAZ-Kritik nicht wirklich folgen.

Die Story des Musicals hat den älteren Zuschauern, die wohl eine ostdeutschen Hintergrund hatten, gut gefallen. Ich sage mal, das Musical hat eine Handlung. Sehr verkürzt lässt sich die so zusammenfassen: Udo trifft FDJ-Maus (die im Übrigen von zwei unterschiedlichen Frauen prima gespielt und gesungen wird) bei seinem Auftritt in Ost-Berlin. Dann ein zweites Mal in Moskau, wo beide ein Kind zeugen. Eine Reporterin recherchiert diese Story und führt dann im Heute den Sohn und Udo zusammen. Bums. Die Handlung zieht sich über 3 Stunden – von einer kurzen Pause nach 90 Minuten mal abgesehen.

Was mich während der zweiten Hälfte beschäftigt hat, war der Gedanke, ob Udo die Lieder seiner letzten Scheibe Stark Wie Zwei schon mit dem Musical im Hinterkopf geschrieben hat oder ob die der Stückschreiber nur eingearbeitet hat. Ich tippe ja auf ersteres und ziehe dabei meinen Hut. Kudos!

Ich habe es gesehen. Das reicht auch. Ich mag es nicht empfehlen. Meines Erachtens passt das Preisverhältnis nicht wirklich. Ich lege lieber ein paar alte Udo-Scheiben auf …

Achja. Der Text der taz.de hat mir ganz gut gefallen. Die Redakteurin sieht das alles ein wenig freundlicher.

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