Robert Basic hat einen Beitrag über die deutsche Schönwetterblogger-Mentalität verpasst. Ist leider inhaltlich nach hinten losgegangen. Denn statt sich mit dem eigentlichen Inhalt auseinander zu setzen, gab es einen Mini-Shitstorm, der sich auf einen Ansatz seines Beitrags bezieht, in dem er sich bekennt früher gemobbt zu haben.
Kiki Thaerien greift eben jene Zeilen aus Pobert Beitrag auf (interessanter Weise fasst sie sein eigentliches Thema sehr objektiv und richtig in den ersten paar Sätzen zusammen, um dann aber eher polemisch auf eben jenen Absatz den Rest ihres Beitrags auszurichten) und verfasst ihrerseits einen durchaus bewegenden Beitrag über ihre Vergangenheit in der sie von ihren Mitschülern gemobbt wurde. Zu dem Beitrag selbst könnte ich auch eine Menge schreiben, denn im Grunde ist er mir zu sehr eindimensional aus Opfersicht verfasst. Interessanter wird es dann allenfalls mal tiefer in den Kommentaren, wo Kiki auf eine Frage „Warst Du nie selbst ein Arschloch?“ hin, antwortet „Doch, natürlich. Wohl jede_r von uns. Ich habe Dinge getan und gesagt, für die ich mich entsetzlich schäme und wo ich alles dafür gäbe, sie ungesagt, ungeschehen zu machen, ganz besonders in meiner Teenagerzeit. Ich habe mindestens einem Menschen sehr wehgetan. Dieser Mensch hat mir inzwischen verziehen, schätze ich (hoffe ich), aber ich mir selbst nicht. Doch ich kann zumindest mit Fug und Recht behaupten, dass ich an mir arbeite. Ich denke, mehr können wir alle nicht tun.“
Was mich aber richtig angekotzt hat – und ich mag das auch nicht abgeschwächter formulieren – sind die gefühlt 200 Kommentare unter ihrem Beitrag, die lediglich aus einem „.“ bestehen. Generation Facebook? War kein Like Button vorhanden. Und genau hier denke ich, ist der Punkt, den Robert auch ursprünglich ansprechen wollte. Schönwetterblogger. Professionell bedeutungsschwanger. Digitale Lemminge ohne eigene Gedanken. Ist das alles, was ihr zu sagen habt, nämlich nichts. Himmel! Soweit ist es dann schon? Und es drängt sich mir die Frage auf, ob es nicht genau ihr seid, die früher schon immer brav mitgelaufen sind. Ob es ihr nicht ward, die über die Mobber-Witze am lautesten gelacht habt. Aber gut. Ich will ja niemand etwas böses unterstellen.
Aber vielleicht ist es besser nicht zu sagen, als einfach nur rumzuhetzen. Aber hey, wir sind ja im Internet, da ist man ja so schön anonym, wie der Kommentator „hans“, der da meint, er hätte das Recht Dritte mal eben zu beleidigen: „Robert Basic ist kein Arschloch. Er ist ein Idiot, der gerne ein Arschloch wäre. Das ist die noch wesentlich schlimmere Sorte von Mensch. Er will irgendwo dazu gehören. Für die Guten ist er zu dumm. Bei den Bösen kann er sich profilieren und noch einen draufsetzen. Aber auch dort wird er niemals dazu gehören. Dazu ist er nämlich auch zu dumm. …“
Man mag über Robert denken, was man will. „Hans“ kennt ihn unter Garantie nicht persönlich. Aber was man schreibt, sollte man genau überdenken. Redefreiheit ist nämlich nicht so frei, dass man den Tatbestand der Beleidigung mal eben aushebelt. Und ich frage mich auch, dass Kiki selbst, die ja die Opferrolle selbst kennt, sich dazu hinreissen lässt, so einen Kommentar entweder überhaupt freizuschalten, bzw. nicht zu löschen. Dies passt meines Erachtens nicht wirklich zu ihrem Beitrag.
Hier und da habe ich gelesen, Robert würde kokettieren. Also „die Aufmerksamkeit anderer zu erregen und zu gefallen“. Echt? Robert versucht jemand zu gefallen? Habe ich noch nicht erlebt. Das Wort heisst wohl eher polarisieren. Und ja, das tut er mit seinem Beitrag. Schade, dass durch seine Wortwahl die eigentlich Message des Beitrages vollkommen verloren gegangen ist.
Wenn ich es richtig drauf hätte, tolle Texte zu schreiben, dann hätte ich oben stehendes wohl wie folgt subsummiert: „Wenn ein Blogger sein Fehlverhalten der Vergangeheit beschreibt, ein anderer Blogger sich dazu äussert, dann sollte sich kein Mob gegen diese beiden Blogger “vereinen“, sondern es sollte miteinader diskutiert werden. Das Stellvertreterverurteilen, also die Suche nach Schuldigen für eigenes erfahrenes Unrecht, ist kein Zeichen von Reife und/oder Erkenntnis, sondern nur das Zeichen dafür, dass man sein Päckchen, das jeder auf die eine oder andere Weise mit sich herumträgt, noch immer nicht verarbeitet hat. Den moralischen Zeigefinder kann immer Jeder und überall zeigen. Es gilt aber für die Zukunft, also das besser werden der Demokratie, immer dann inne zu halten, wenn die einzige Argumentation die Moral ist.“ nachzulesen bei Die Welt ist Scheisse