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In einem Taxi nach in Paris

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Letzten Mittwoch bin ich mit dem Flieger in Paris gelandet. Der Flughafen Charles de Gaulle liegt ein wenig ausserhalb und man kann mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt fahren. Der Akku von meinem iPhone hatte sich gerade verabschiedet und auch sonst war mir nicht nach spätabendlicher Gesellschaft in Bus oder Bahn. Also habe ich mich entschlossen ein Taxi zu nehmen.

Man kennt das ja, ab zum Taxi-Stand, einsteigen, losfahren und irgendwann ankommen. Aber .. andere Länder, andere Sitten – nicht so in Paris. Es fing damit an, dass ich mich in eine laaange Schlange von Wartenden einreihen durfte. Von Stossverkehr konnte aber nicht die Rede sein, denn all diese Personen hatten mich nach und nach passiert als ich noch – ausserhalb der Sichtweite des Taxi-Standes – eine Zigarette geraucht hatte.

Das Zepter über diesen Taxi-Stand hatte eine junge Dame mit einem Walkie-Talkie und einem lauten Organ, was sie konsequent und dauerhaft eingesetzt hat. Ich habe Französisch in der 12. Klasse abgewählt und auch sonst hatte ich mit der Sprache schon lange keinen Kontakt mehr. Ich habe also so gar nicht verstanden, was sie von sich gegeben hat. Und warum sie mache Taxi-Fahrer, also die paar, die ab und zu mal reinschneiten, angeschrien hat und andere eben nicht.

Auch habe ich so gar nicht verstanden, warum der eine Typ, der doch eigentlich ganz sympathisch aussah von allen Taxi-Fahrern abgewiesen wurde. Und dann auch noch ein zweiter. Eine Weile lang das gleich Spiel. Neues Taxi fährt ein. Die lautstarke Dame weist dem ewig wartenden das neue Taxi zu. Der Typ geht zum Taxi. Der Taxifahrer schickt ihn wieder weg. Die Frau schimpft, der Taxifahrer winkt sich den nächsten Wartenden zu und fährt dann mit dem von Dannen.

Ich sehe mich da auch schon stehen. Telefon leer. Verstehe kein Wort und keiner will mich mitnehmen. Und auch mein Taxifahrer verweigert dem Ewigwartenden die Mitfahrt und winkt mich zu sich. Ich steige in das Auto und halte ihm meine Hoteladresse unter die Nase. Bon. Na dann kann es ja losgehen. Do you accept credit cards? Ich reise schon seit fast einem Jahr ohne Bargeld. No. Der Mann dreht sich um und ich sehe mich schon neben dem Ewigwartenden. Can we stop at a cash machine? Qui. Prima.

Und los geht’s. Ich spreche kein Französisch und sein Englishwortschatz haben wir auch ausgeschöpft. Das werden doch recht langweilige 40 Minuten durch das dunkle Paris. Und weil es ausser Schwarz nicht viel zu sehen gibt, krame ich in meinem Erinnerungen. Französisch. War doch ne schöne Sprache. Brauchte man bloss nie. Der Taxifahrer springt auf meinen ersten Satz sofort an. Und hört auch nicht mehr auf zu reden, bis wir uns am Hotel herzlich mit Handschlag verabschieden.

Ich habe in den vergangenen zwanzig Minuten nicht alles verstanden, muss aber gestehen, dass sein Redeschwall bei mir ein paar Schubladen geöffnet hat, wo doch noch ein paar französische Vokabeln lagen. Im Grunde ein sehr schöner Einstieg zu meinem Paris-Besuch.

2 Kommentare

  1. Hast du ihn gefragt, was das Theater am Taxistand sollte?

    • Als ich mich überwunden hatte, um französisch zu sprechen, war das irgendwie nicht so präsent. ich hatte gehofft, dass eine/r der Leser/innen hier für Klarheit sorgen kann.

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