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Kalle und wie er das Internet sieht

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Oder die unbequeme Wahrheit über Facebook.

Kalle kenne ich seit dem Kindergarten. Später im Kinderhort war seine Mutter meine Erzieherin. Wir waren vielleicht nicht die besten Freunde – Kalle war auch ein Jahr älter als ich – aber wir haben doch auch hin und wieder nach dem Kindergarten miteinander gespielt. In der Schulzeit sind wir uns immer wieder begegnet. Kalle hat aber eine andere weitergehende Schule besucht als ich, wenn wir uns mal in der Stadt gesehen haben, habe wir uns auf die Schulter geklopft und nach unseren Müttern gefragt. Dann bin ich zum Studium nach Bielefeld gezogen und habe Kalle erst nach 10 Jahren wieder in meiner alten Stammkneipe getroffen. Er lebt jetzt in einer anderen Welt, ist aber immer noch ein feiner Kerl. Viel zu sagen haben wir uns nicht, trotzdem war das Treffen herzlich.

Kalle ist jetzt bei Facebook. Wir sind dort auch befreundet.

In den letzten Wochen habe ich mehr Kontakt zu anderen Bloggern als in den vorangegangenen 8 Jahren zusammen. Das hat mit meinen neuen Blog-Aktivitäten zu tun, die ich unter meinen Namen öffentlich betreibe. Ich bin in einer Gruppe von Bloggern engagiert und ich finde das sehr spannend, wie auch fruchtbar. Das Schöne an der Gruppe ist ihre heterogene Zusammensetzung. Vom reinen Hobbyschreiber bis zum Berufsblogger ist alles dabei. Wirklich spannend. In dieser Gruppe haben wir oft auch über Facebook diskutiert. Wir social media Experten werden meines Erachten ganz schön berufsblind.

Im Sog neuer Dienste darf man Kalle nicht vergessen. Den Kalle ist die Masse. Und für Kalle ist Facebook heuer das Internet. So wie damals Compuserv und später AOL. Es ist nicht so, dass Kalle nicht wissen würde, dass es viel mehr da draussen gibt. Er kennt Google und nutzt es auch. Sein Kumpel hat ein kleines Gewerbe, was er auch fleissig in seinem Facebook-Stream bewirbt. Es ist nicht so, dass Kalle das Internet nicht versteht, es interessiert ihn aber nicht. Und er findet Facebook klasse. Denn bei Facebook sind sein Freunde. Bei Facebook bekommt er all seine Informationen in seinem News-Stream. Warum also aus dem Sofa bewegen? Vielleicht hat Kalle sogar ein iPhone, aber sowas wie Path interessiert ihn auch gar nicht. Sicher hat Kalle schon mal von Twitter gehört und es sich angesehen, er ist schliesslich nicht blöd. Aber was sollen diese künstlich gekürzten Nachrichten, wenn man selbst eine SMS heute so lang schreiben kann, wie man möchte.

Ausserdem gibt es bei Facebook auch Fotos und Bilder. Die man sich einfach ansehen kann, ohne irgendwas anzuklicken oder vorher installieren zu müssen. Und man kann sie durch einen SHARE auch klickibuntieinfach in seinem eigenen Stream anzueigen. Und zu guter Letzt öffnen sich bei Facebook auch keine Pop-up-Spam-Werbefenster und meist ist es auch alles sauber und schön.

Wenn man heute mit dem Internet Geld verdienen will und der einfachste Weg ist nun mal über Reichweite bzw Traffic, dann sollte man zumindest wissen, wie Kalle tickt. Denn nur so, bekommt man Traffic. Facebook ist gerade das Internet. Zumindest für viele Leute. An Facebook kommt man aktuell nicht vorbei. Punkt. Facebook wird bestimmt irgendwann mal AOL folgen. Und ich würde auch nichts so anlegen, dass ich mich ausschliesslich bei Facebook bewegen. Aber man bekommt Facebook hervorragend Traffic, wenn man sich nicht vollkommen blöd anstellt.

3 Kommentare

  1. Danke für den tollen Text erstmal. Und ganz sicher hast Du Recht. Und ich bin ziemlich froh eigentlich, dass ich in so vielen Wegen, eben doch an Facebook vorbei kann. Dass das An-Facebook-vorbei-kommen eben gerade, weil man eigentlich nicht dran vorbei kommt, so nett ist.

  2. Du hast vergessen, dass Kalle im Zweifel trotzdem ein ziemlich ungutes Gefühl hat, dass das was Facebook da mit seinen Daten macht nicht wirklich so toll ist und dass er das inzwischen auch im Spiegel nachliest, Vielleicht wird kalle das in 1-2 Jahren doch zuviel und außerdem hat er keinen seiner Facebookfreunde, die er nicht eh trifft, wegen Facebook wieder getroffen. Deshalb löscht er seinen Facebook Account wieder. Facebook mag „gerade“ das internet sein, ich hoffe nicht so lange, weil eigentlich ist das ganz schön langweilig.

    Vielleicht solltest Du lieber nach Lena, Lara und Ben gucken, die haben dieses Gefühl von Privatspäre nicht mehr und werden bestimmt ihre Chronik auf Facebook leben., wenn Google sie nicht vorher abgreift.

  3. Mit Verlaub meine Freunde – es geht nicht darum, was ich will oder was Du willst. Es geht darum, wie man ein Geschäft macht. Wie man online etwas an den Mann bzw die Frau bringt – sei es nun einen bestimmten Inhalt oder ein Produkt. Und da kommt man an Facebook gerade nicht vorbei. Das ist mein Punkt.

    Nicht, ob ich das privat toll finde.

    Und nur am Rande, ich habe eben Googles neue Datenschutzlinie bestätigt. „Jog, hast Du ein Problem damit, dass wir all Deinen Scheiss jetzt vernetzen?“. Ne, mach mal. Das Netz wird böse, aber so ist das Leben ja auch.

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