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I am with you – die Red Hot Chili Peppers im Kölner E-Werk

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Wenn ich ehrlich bin, hat Jens Bauschs für den Focus das Konzert ganz gut zusammen gefasst: Funkrock-Dinosaurier ohne Pfeffer. Aber vielleicht trotzdem noch ein paar Worte meinerseits.

Ich war also einer von 1.500 Zuschauern im Kölner E-Werk, die Teil des Konzertes und der Aufzeichnung waren, die dann überall auf der Welt übertragen wurde. Vermutlich werden sich die Hardcore-Peppers-Fans aus Amerika und Asien vor Frust ein paar T-Shirts gefressen haben, dass ausgerechnet in Deutschland dieses Konzert aufgezeichnet wurde. Und eben diese kann ich beruhigen. So richtig verpasst habt ihr nichts und ich mache jede Wette, dass das Konzert in dem Kino Eurer Wahl imposanter war, als das, was uns da geboten wurde. Angefangen hat es beim ersten Song. Alle waren gut drauf im Publikum, man hat wirklich die Spannung gespürt. Als die Peppers dann angefangen haben zu spielen, haben sich viele verwundert umgedreht. Der Sound war schrecklich. Anthony Kiedis hörte sich an, als könne er gar nicht singen und die ganze Band hörte sich an, wie ein paar untalentierte Jungs, die in einer Garage das erste Mal zusammen spielen. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn mehrere hundert Menschen um Dich herum stehen, alle bereit, richtig Gas zu geben und dann hat man das Gefühl, als würde man Teil eines sehr fragwürdigen Experimentes werden. Die Techniker haben das meines Erachtens während des ganzen Konzerts nicht wirklich hinbekommen.

Auch hatte ich irgendwie gedacht, das wir als Publikum Teil des Ganzen wären. Ich denke aber, dass das nicht eingeplant war. Zwischen den Songs kam da nicht gerade viel von der Bühne und Anthony Kiedis schien mehr damit beschäftigt zu sein, die Regieanweisung über seine In-Ear zu verstehen als denn irgendwie für gute Stimmung zu sorgen. Michael „Fleh“ Balzary hingegen, wirkte weder lustlos noch zu beschäftigt. Und hat uns auch bei der Stange gehalten.

Völlig daneben war dann der Abgang der Jungs. Angekündigt war das Konzert als einziges seiner Art, bei dem die Peppers das neue Album komplett durchspielen und dann noch mehr: In diesem Red Hot Chili Peppers LIVE: I’m With You -Filmtheater-Event wird die Band alle Titel ihres neuen Albums performen, gefolgt von einer Auswahl ihrer größten Hits. Es wird das erste – und einzige – Mal sein, dass die Band ihr neues Album in voller Länge live spielen wird.  spielen. Eine Auswahl Ihrer größten Hits? Zwei. Hm. Zweit Hits hatten die Red Hot Chili Peppers bisher als – eins: Me and My Friends und zwei: Give It Away. Aha? So war dann auch die Stimmung nach dem Abgang der Band. Ungläubig. Befremdlich. Nach 10 Minuten „Zugabe“-Rufen und Applaus fing der Roadie an, das Schlagzeug abzubauen. WTF? Nee, das war echt blöd. Und ich fühle mich auch irgendwie verarscht.

Red Hot Chili Peppers am 30.08.2011 im E-Werk in Köln

So, das zum Frust. Ich hatte trotzdem richtig viel Spass. Ich finde die neue Scheibe auch prima. Die Performance der Peppers war prima. Ich fand das E-Werk für das Konzert auch klasse. Keine riesige Arena, wo man schon eher auf die Video-Leinwand gucken muss, um überhaupt etwas zu sehen. Das hatte was. Fleh ist einfach ein ganz Grosser. Und wer war noch mal dieser John Frusciante? Habe ich nicht vermisst. Nein, die Stücke, die nicht dem miesen Mischen zum Opfer gefallen sind, kamen super rüber und beim Spielen haben die Jungs auch herrlich aufgedreht. Ich habe es auch wahrlich nicht bereut dabei gewesen zu sein. Jetzt freue ich mich auf das Konzert in Hamburg.

PS: Ich wollte noch geschrieben haben, dass Anthony Kiedis wirklich hart und auch erfolgreich daran arbeitet, nicht mehr als Sex-Symbol wahrgenommen zu werden. Mit dieser Emo-Frisur und dem Porno-Balken setzt er bestimmt keinen Trend, macht vielmehr den Eindruck als spekuliere er darauf Bruno Ganz in „Der Untergang 2“ zu ersetzen. Er muss allerdings noch an seinem Oberkörper arbeiten. Ich habe mich immer wieder dabei erwischt, wie ich voll Scham meinen Bauch eingezogen habe. Ich muss wieder mehr Sport machen. Am besten wieder Regelmässig laufen. Und dabei werde ich dann I’m With You hören.

4 Kommentare

  1. eine wirklich gute zusammenfassung des gestrigen abends!

  2. Der lieber Herr Balzary nennt sich „Flea“ nicht „Fleh“.

  3. Scheint kein Einzelfall zu sein, dass sich die Peppers nicht für ihr Publikum interessieren. Ich war vor ein paar Jahren im Münchner Olympiastadion und das Konzert war die reinste Frechheit, es gab null interaktion, Kiedis stand teilweise zwei ganze Lieder lang (und auch dazwischen) am Rand der Bühne oder gar mit dem Rücken zum Publikum, zwischen den Liedern kein Einheizen, Keine Begrüßung, kein nichts – nach irgendeinem Lied dann zack, alle von der Bühne weg, Stadionlichter an, Bühne abgebaut. WTF? Ich habe mir damals geschworen, für die Leute Live kein Geld mehr auszugeben – so wie sich der Bericht hier anhört, werde ich wohl auch dabei bleiben. Ich mag die Musik, aber aus Klangsicht ist das Album eh immer besser – bei einer Live-Show erwarte ich da EINIGES mehr.

  4. wir waren vor vier/fünf Jahren in Wien auf dem Konzert und das war wirklich gut, sowohl klanglich als auch showmäßig. Im Oktober sind wir in HH und da erhoffe ich mir dann ähnliches…

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