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Bedeutungschwangere Punkte der Schönwetterblogger

| 7 Kommentare

Robert Basic hat einen Beitrag über die deutsche Schönwetterblogger-Mentalität verpasst. Ist leider inhaltlich nach hinten losgegangen. Denn statt sich mit dem eigentlichen Inhalt auseinander zu setzen, gab es einen Mini-Shitstorm, der sich auf einen Ansatz seines Beitrags bezieht, in dem er sich bekennt früher gemobbt zu haben.

Kiki Thaerien greift eben jene Zeilen aus Pobert Beitrag auf (interessanter Weise fasst sie sein eigentliches Thema sehr objektiv und richtig in den ersten paar Sätzen zusammen, um dann aber eher polemisch auf eben jenen Absatz den Rest ihres Beitrags auszurichten) und verfasst ihrerseits einen durchaus bewegenden Beitrag über ihre Vergangenheit in der sie von ihren Mitschülern gemobbt wurde. Zu dem Beitrag selbst könnte ich auch eine Menge schreiben, denn im Grunde ist er mir zu sehr eindimensional aus Opfersicht verfasst. Interessanter wird es dann allenfalls mal tiefer in den Kommentaren, wo Kiki auf eine Frage „Warst Du nie selbst ein Arschloch?“ hin, antwortetDoch, natürlich. Wohl jede_r von uns. Ich habe Dinge getan und gesagt, für die ich mich entsetzlich schäme und wo ich alles dafür gäbe, sie ungesagt, ungeschehen zu machen, ganz besonders in meiner Teenagerzeit. Ich habe mindestens einem Menschen sehr wehgetan. Dieser Mensch hat mir inzwischen verziehen, schätze ich (hoffe ich), aber ich mir selbst nicht. Doch ich kann zumindest mit Fug und Recht behaupten, dass ich an mir arbeite. Ich denke, mehr können wir alle nicht tun.

Was mich aber richtig angekotzt hat – und ich mag das auch nicht abgeschwächter formulieren – sind die gefühlt 200 Kommentare unter ihrem Beitrag, die lediglich aus einem „.“ bestehen. Generation Facebook? War kein Like Button vorhanden. Und genau hier denke ich, ist der Punkt, den Robert auch ursprünglich ansprechen wollte. Schönwetterblogger. Professionell bedeutungsschwanger. Digitale Lemminge ohne eigene Gedanken. Ist das alles, was ihr zu sagen habt, nämlich nichts. Himmel! Soweit ist es dann schon? Und es drängt sich mir die Frage auf, ob es nicht genau ihr seid, die früher schon immer brav mitgelaufen sind. Ob es ihr nicht ward, die über die Mobber-Witze am lautesten gelacht habt. Aber gut. Ich will ja niemand etwas böses unterstellen.

Aber vielleicht ist es besser nicht zu sagen, als einfach nur rumzuhetzen. Aber hey, wir sind ja im Internet, da ist man ja so schön anonym, wie der Kommentator „hans“, der da meint, er hätte das Recht Dritte mal eben zu beleidigen: „Robert Basic ist kein Arschloch. Er ist ein Idiot, der gerne ein Arschloch wäre. Das ist die noch wesentlich schlimmere Sorte von Mensch. Er will irgendwo dazu gehören. Für die Guten ist er zu dumm. Bei den Bösen kann er sich profilieren und noch einen draufsetzen. Aber auch dort wird er niemals dazu gehören. Dazu ist er nämlich auch zu dumm. …

Man mag über Robert denken, was man will. „Hans“ kennt ihn unter Garantie nicht persönlich. Aber was man schreibt, sollte man genau überdenken. Redefreiheit ist nämlich nicht so frei, dass man den Tatbestand der Beleidigung mal eben aushebelt. Und ich frage mich auch, dass Kiki selbst, die ja die Opferrolle selbst kennt, sich dazu hinreissen lässt, so einen Kommentar entweder überhaupt freizuschalten, bzw. nicht zu löschen. Dies passt meines Erachtens nicht wirklich zu ihrem Beitrag.

Hier und da habe ich gelesen, Robert würde kokettieren. Also „die Aufmerksamkeit anderer zu erregen und zu gefallen“. Echt? Robert versucht jemand zu gefallen? Habe ich noch nicht erlebt. Das Wort heisst wohl eher polarisieren. Und ja, das tut er mit seinem Beitrag. Schade, dass durch seine Wortwahl die eigentlich Message des Beitrages vollkommen verloren gegangen ist.

Wenn ich es richtig drauf hätte, tolle Texte zu schreiben, dann hätte ich oben stehendes wohl wie folgt subsummiert: „Wenn ein Blogger sein Fehlverhalten der Vergangeheit beschreibt, ein anderer Blogger sich dazu äussert, dann sollte sich kein Mob gegen diese beiden Blogger “vereinen“, sondern es sollte miteinader diskutiert werden. Das Stellvertreterverurteilen, also die Suche nach Schuldigen für eigenes erfahrenes Unrecht, ist kein Zeichen von Reife und/oder Erkenntnis, sondern nur das Zeichen dafür, dass man sein Päckchen, das jeder auf die eine oder andere Weise mit sich herumträgt, noch immer nicht verarbeitet hat. Den moralischen Zeigefinder kann immer Jeder und überall zeigen. Es gilt aber für die Zukunft, also das besser werden der Demokratie, immer dann inne zu halten, wenn die einzige Argumentation die Moral ist.“ nachzulesen bei Die Welt ist Scheisse

7 Kommentare

  1. .

    Kleiner Spaß. Ohne etwas zum Thema beitragen zu können, aber das hier

    Kommentare unter ihrem Beitrag, die lediglich aus einem “.” bestehen. Generation Facebook? War kein Like Button vorhanden. (…) Digitale Lemminge ohne eigene Gedanken.

    habe ich mir auch schon häufiger gedacht.

  2. Pingback: vom armen, armen Mobber | dichotomy

  3. Hä? Du drückst doch auch gerne mal den „Gefällt mir“-Knopf, ohne einen Kommentar zu hinterlassen. Das kotzt dich doch auch nicht an. Es gibt Menschen, die freuen sich schlicht darüber, wenn ihnen andere Zustimmung ausdrücken und sei es auf so einfache Weise. Es ist dieses zustimmende „genau“-Geraune, wie man es auch von irgendwelchen Versammlungen kennt.

    Und:
    „Wenn ein Blogger sein Fehlverhalten der Vergangeheit beschreibt, ein anderer Blogger sich dazu äussert, dann sollte sich kein Mob gegen diese beiden Blogger “vereinen“, sondern es sollte miteinader diskutiert werden.“

    Jau, und da ist Robert ja nun nicht das beste Beispiel. Während der Wirre sich dazu „herablässt“, auch mal in Longtailblogs zu kommentieren, zieht Robert diese Möglichkeit eher nicht in Betracht.

    • @willsagen dass bei dir eine oben/unten- und eine empathiestörung vorliegt hast du in den letzten tagen hinreichend deutlich gemacht, aber deine erwartung, dass jemand der von hunderten leuten beschimpft und verunglimpft wird sich für ausgewählte einzelne (oder alle?) zeit nimmt für einen kleinen plausch, grenzt schon an schwachsinn. abgesehen davon hat robert basic durchaus im „long tail“ diskutiert.

      ich habe mich auch nicht zu irgendwas „herabgelassen“, sondern ich habe (unter anderem) bei leuten die ich bisher für einigermassen sympathisch oder vernünftig hielt nachgefragt wie sie zu ihren für mich eher überraschenden urteilen über mich gekommen sind. (was übrigens nicht nur irre viel zeit, sondern auch enorm viel kraft kostet.)

      das mit dem „herablassen“ zu anderen gilt übrigens auch umgekehrt. direkt nachgefragt oder von sich aus mit oder bei mir diskutiert hat bei dieser welle niemand. bei robert basic wohl auch nicht. charakterfragen lassen sich unter ausschluss des angeklagten offenbar leichter verhandeln.

      • Dass ich nicht ganz falsch mit meiner Einschätzung lag, zeigt genau diese Art der Wortwahl deines Kommentars. Ich frage mich da wirklich, wo die fehlende Empathie zu suchen ist, wenn man jemanden öffentlich bezichtigen muss, beinahe schwachsinnig zu sein. Diese verbale Ausfälligkeit, die ich mir demgegenüber bei weitem verkniffen habe, ist ein gutes Beispiel für meine Beobachtung.

  4. Ich empfinde diese verschiedenen Blogpostings in Reaktion auf Roberts Statement durchaus als „miteinander diskutieren“. Auch in den Kommentaren wird nicht NUR gepunktet.

  5. Pingback: willsagen.de » Blog Archiv » Selektive Wahrnehmung durch gestörte Empathie und Schwachsinnigkeit

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