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Vater sein dagegen sehr – The Next Level

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Vater sein ist etwas Tolles. Und etwas wirklich Gutes. Man mag mir das nicht glauben, kinderlose Leser ganz bestimmt nicht, aber es stimmt. In der Tat ist es so, dass ich von meinen Kindern viel lerne, auch über mich selbst. Soweit alles prima.

Aber in den letzten Monaten ist etwas passiert. Nachwuchs 1.0 ist schlagartig mitten in der Pubertät. Erinnerst Du Dich noch an Deine Pubertät? Natürlich nicht. Die Pubertät ist eine leere Schublade in meinem Gehirn. Ich kann mich gerade mal ein ganz bisschen an die Anfänge erinnern. ich war bei einem Freund und wir hatten fein säuberlich ein Nena-Poster aus der Bravo herausgetrennt und in seinem Zimmer aufgehängt. Das Poster hing, Nena strahlte uns an und mein Freund schnellte auf das Poster zu und gab der 2-dimensionalen Nena einen Kuss. Boah. Meiner Nena. Sofort bin ich zum Poster und habe Nena auch einen Kuss auf ihre papierenden Lippen gedrückt. Bääääääh. sagte da mein Freund. Die habe ich doch gerade geküsst. Der Anfang einer Abfolge von Ereignissen, bei denen selbst die Geschehnisse, die man damals toll fand, heute eher hochpeinlich erscheinen. Ich habe übrigens nie wieder ein Nena-Poster geküsst.

Und auch wenn mich viele Leute heute noch einen Kindskopf nennen, meine Pubertät habe ich ja schon ein Weilchen abgeschlossen. Nun bin ich Vater. Und jetzt legt Nachwuchs 2.0 los. Und ich stelle fest – alles, was ich bislang in meiner Vaterlaufbahn als schwierig empfunden habe – war nichts. Gar nichts. Null. Im Vergleich zu dem, was sich da jetzt entwickelt. Und zum ersten Mal in meiner Vaterkarriere verspüre ich etwas wie blanke Angst.

Pubertät. Wahnsinn. Stell Dir vor, Du unterhälst ich mit jemanden, der Dir nahesteht und den Du schon eine ganze Weile kennst und plötzlich weint diese Person – völlig ohne Grund, nur um ein paar Minuten später Dich völlig wütend anzugehen und abschliessend Geborgenheit spendende Nähe zu suchen. Völlig ohne jeden Zusammenhang. Stell Dir vor, Du arbeitest Dein Leben lang mit Computern und plötzlich gibt Dir Dein Nachwuchs vollkommen ernst irgendwelche (unfundierten) Ratschläge, was Du irgendwie anders oder besser machen könntest. Und wenn Du Dich nicht ersthaft (Schallendes Gelächter ist eine ganz bescheuerte Idee, habe ich ausprobiert und rate dringend davon ab, es mir nachzuahmen!) mit dem Gesagten auseinandersetzt, dann bist Du der gemeinste Mensch auf der Welt. Nein, ich frage mich gar nicht, ob ich früher genauso war. Ich weiss es. Ich frage mich bloss, wie meine Mutter es damals mit mir ausgehalten hat.

Wenn das Leben ein Videospiel wäre und die Pubertät deines Kindes ein Level, den Du meistern musst, dann ist dieser verdammt schwer. Das Problem ist nämlich, dass Du kein Endgegner hast. Das Problem wird verstärkt, dass jegliche Strategien sinnlos sind. Die Aufgabe des Levels ist es, dass Du überlebst, ohne grossen Schaden zu nehmen. Das Schöne ist doch, dass es irgendwann vorbei ist. Naja. Wenn Nachwuchs 1.0 das Ding abschliesst, steigt Nachwuchs 2.0 voll ein. Rosige Aussichten. Und wenn Nachwuchs 2.0 damit durch ist, dann wird sich das Vatersein weitestgehend auf das Zücken der Kreditkarte beschränken.

Ein Freund von mir hat jetzt das vierte Kind bekommen. Innerhalb von ein paar Jahren. Wenn ich daran denke, dass der die Pubertät seiner Kinder in 4 parallelen Instanzen durchleveln muss, ziehe ich meinen Hut.

PS: Liebe Freunde, die ihr ab und an mit mir zu tun habt – Sollte ich in nächster Zeit etwas unausgeglichen oder gar zickig sein – also mehr als sonst – dann habt Nachsicht mit einem pubertierenden Vater.

2 Kommentare

  1. Ich weiß gar nicht was du hast. Deine kinder sind süß, höflich und zuvorkommen. Du wirst einfach inzwischen schlechter in Videospielen. falls du mal ne Trainingssession QW brauchst, sag bescheid :p

  2. Hi Jog. Mal ehrlich, man kann doch noch drüber lachen. DAS ist Pubertät?

    Wenn sie sich selbst absägen, Du nichts sagen darst und dann doch Schuld bist? Das ist doch einfach nur die Endeckung des eigenen Willens.

    Wir werden lesen was wird. Sohn 1.0 hat noch reichlich ein halbes Jahrzehnt Zeit 😉

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