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Blogger, Hersteller, Agenturen

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Ich bin immer wieder überrascht, wie viele – auch international operierende – Firmen es in Deutschland gibt, bei denen Personen in Führungspositionen sitzen, die sich – zumindest ihren Aussagen nach – so ganz und gar ausmalen können, was in diesem Internet wirklich passiert. Ich bin echt oft einfach nur vollkommen sprachlos, was da teilweise zurück kommt, wenn man wegen etwas anfragt. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass man nicht jeden dahergelaufenen Blogger glücklich machen kann. Dennoch muss ich mich wirklich wundern.

Aber auch das Selbstverständnis mit dem so manch einer auf Blogger zugeht und denkt, man könne so doch ganz vorzüglich kostenloses Link-Building betreiben ist teilweise echt nicht mehr komisch. Neulich erreichte mich eine Anfrage, bei der ein Shopbetreiber mir anbot, ich dürfte ein bestimmtes Produkt aus seinem Sortiment testen. Das Produkt selbst fand ich nicht zwingend überzeugend, aber durchaus nett. Allerdings musste er eingebaut werden. Und nach Willen des Shopbetreibers auch nach Testende wieder ausgebaut und zurück geschickt. Rechnet man mal sehr anbieterfreundlich, so heisst dass 1 Stunde Montage und Demontage. 2 Stunden kumuliert Testen und Verfassen eines Beitrags, dann sind das mal eben 3 Stunden Aufwand. Dazu bekommt der Händler noch einen Deeplink in seinen Shop. Wert eines solchen Deeplinks setzen wir mal auf 50 Euro an. Selbst bei einem Nettostundenlohn von nur 10 Euro, möchte der Händler also eine Dienstleitung im Wert von mindestens 110 Euro. Geht man mal nicht von einem Schüler aus, sondern jemanden, der sich seine Zeit dem Alter und der Qualifikation nach angemessen bezahlen lässt und der auch noch eine ansatzweise populäre Webseite betreibt, dann sind es eher 500 Euro. Die möchte der Händler mal eben so haben. Mit einem gewissen Selbstverständnis. Ich möchte nicht bei Tests bezahlt werden, ich gehe auch nicht davon aus, dass ich die zu testende Ware behalten kann. Wenn ich sie zum Testen anfordere. Und ich finde, da liegt auch der gar nicht so kleine Unterschied. Naja. Manche Menschen haben schon interessante Vorstellungen.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zur Zahlungsmoral von Agenturen. Dan kommt eine Agentur auf einen Blogger zu und möchte ‘mal eben’ ein Thema gepusht haben. Ja, man hat sogar ein Budget. Aber der Beitrag müsste schon in den nächsten 2-3 Tagen erscheinen. Kein Problem. Man schreibt den Beitrag, anschliessend die Rechnung. Und dann. Dann passiert erstmal gar nichts. 2 Wochen. 4 Wochen. 6 Wochen. Nichts. Die Rechnung befindet sich im Zahlungslauf heisst es. Ich bin auf das Geld nicht zwingend angewiesen, aber ich behalte mir mittlerweile vor, an den Auftraggeber der Agentur heranzutreten, um mich über die Zahlungsmoral ihres Dienstleisters zu beschweren. Ich erwarte nicht, dass meine Rechnung sofort begleichen wird. 2 Wochen finde ich angemessen. Alles andere halte ich für unproffessionell. Von einer anderen Agentur bin ich neulich zu einem Event eingeladen worden. Die Reisekosten könnte ich nach dem Event einreichen. Ich habe dann höflich und bestimmt gesagt, dass ich dann die Einladung ausschlagen muss. Man könne mir gern ein Ticket buchen. Nach ein wenig hin und her, strecke ich jetzt doch Kosten vor – allerdings als freiwillige Entscheidung. Meine Ansprechpartnerin bat mich um Verständnis, dass die Begleichung der Kostennote bis zu 6 Wochen dauern wird. Diese Agenturen werden es in Zukunft nicht leicht haben, mit professionellen Bloggern zusammen zu arbeiten.

Denn es geht auch anders. Deutlich anders. Und mit solchen Partnern (!) arbeite ich dann auch gerne zusammen.

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