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Gestatten? jog, Schulaufsätzchenschreiber

| 5 Kommentare

In den letzten Wochen bin ich gleich zwei Mal von zwei statthaften Journalisten, deren Ruhmphase den Zenit schon ein paar Tage überschritten hat, unabhängig voneinander als Schulaufsätzchenschreiber tituliert worden. Gut, sie haben mich nicht direkt angesprochen, wohl aber eine Gruppe, zu der ich explizit gehöre. Ich muss gestehen – mein unendlich grosses Ego hat schon mitbekommen, dass sich da zwei Säue an ihm kratzen. Schlimmer noch, ich habe mich ernsthaft mit den Vorwürfen auseinander gesetzt.

Die Gruppe, die ich da oben meine, besteht aus Bloggern. Naja. Ein paar von denen bezeichnen sich irgendwie anders. Ist ja heute auch alles nicht so einfach zu definieren. Die wohl treffendste Definition ist “Personen ohne journalistischen Hintergrund, die Inhalte im Internet publizieren”. Wobei auch schon der Begriff “journalistischen Hintergrund” so löchrig ist, wie ein schweizer Käse. Ich beispielsweise habe damals™ die Schülerzeitung verlegt und redaktionell gefüllt. So kann ich doch schon einen “journalistischen Hintergrund” vorweisen, nein?

Ich schreibe eben, wie ich denke und vor allem, weil ich es gerne tue. Und ich denke, wie ich bin. Und bei allem Respekt vor der echten schreibenden Zunft, ich denke nicht, wie ein Schulaufsatz – eher wie ein Karussell bei dem jemand den Starkstrom an den falschen Anschluss gelegt hat. Nachdem ich also meine zweiten Journalistenschelte eingeschenkt bekommen hatte, bin ich zufällig über einen Artikel eines Dritten gestolpert. Den habe ich dann sehr kritisch gelesen. So von wegen “schreibst doch auch nicht besser”. Tja. Gab aber gar nichts zu mäkeln. Ein wunderschön passig geschriebener Fachartikel, der meine Inhalte aussehen lässt, wie .. wie .. wie .. wie die Ausdünstungen eines gewissen jogs aus Bielefeld. Blogger seit 8 Jahren. Der sich einen Dreck darum kümmert, was die Journalisten dazu sagen. Aber doch immer mal wieder gut, sein Tun, Schaffen und Resultat zu hinterfragen.

Ich habe nichts gegen Journalisten. Ich bin sogar sehr dankbar, dass es sie gibt. Ich lese gerne. Ich habe auch nichts gegen Print, noch meine ich, dass die Zeit der Print-Publikationen abgelaufen ist. Vielmehr glaube ich an das Prinzip von friedlicher Koexistenz und gar an produktive Kooperation. Ich will niemanden etwas weg nehmen und denke auch nicht, dass ich dies tue. Die Industrie entdeckt uns “Blogger” in Deutschland gerade neu. Das heisst aber nicht, dass sie die Print-Fraktion dafür vernachlässigt. Man ist sich vielmehr bewusst, dass man über andere Kanäle auch noch weitere Menschen für seine Produkte interessieren – vielleicht sogar begeistern kann.

Was mich auch zum Ende dieser Zeilen bringt. Ich bin kein Journalist. Ich habe auch nie irgendwo das professionelle Schreiben gelernt, noch habe ich den Anspruch irgendwelche tief fundierten Artikel zu verfassen. Ich sehe mich in meiner Definition meines Schaffens als Blogger vielmehr als Unterhalter. Ich würde jetzt gerne Entertainer schreiben, will aber nicht, dass morgen die nächste Zunft sich bedrängt fühlt. Was mich aber in meinen nachhängenden Gedanken beschäftigt, ist der Ton, in dem die beiden “Journalisten” uns angegangen haben. “Schulaufsätzchenschreiber” mag im Fachjargon der Journalisten vielleicht ein gebräuchliches Wort für Anfänger sein, auf mich hat es verletzend gewirkt. Und wenn ich davon ausgehe, dass es auch verletzend gemeint ist, dann bin ich froh, dass ich schon eine Stufe weiter bin als die beiden. Ich habe keine Angst vor Journalisten. Ich schätze sie sogar – für das was sie tun. Und ich finde es auch nicht schlechter als das, was ich tue – nur weil es anders ist. Obgleich ich sagen muss, dass ich mittlerweile doch lieber Artikel und Beiträge lese, die meinen gleichen, weil ich es eben interessanter finde, was ein anderer wirklich denkt, also die völlig subjektive Sichtweise – das Wiedergeben des Erlebten und Erfahrenen – statt dem Aufzählen von Fakten und Daten über ein Produkt oder eine Dienstleistung – auch wenn diese Aneinanderreihung in einem wunderschönen Deutsch geschrieben ist.

PS: Und ja, ich mag sogar Schachtelsätze, ich im Laufe ihrer Verschachtelung ihren Sinn verlieren.

5 Kommentare

  1. Ich mag Schulaufsätze, da verstehe ich wenigstens alles ;)
    Keep on schreibing.

  2. Sehe es ganz wie webharvey. Mit gehts drum dass das Geschriebene aus der Seele bzw. vom Herzen kommt. Da ist mir egal an welche Konventionen es sich hält – oder eben auch nicht.

  3. Von RTL-II (war es doch) Zuarbeitern würde ich mich nicht beeindrucken lassen.

  4. Willkommen im Big-Ego-Club.

    Online-Publisher ohne nachgelagertes Verlagshaus. Mal bin ich Blogger, mal bin ich übender Motor-Journalist, mal bin ich Publizist, mal Kolumnist, mal Marketing-Fuzzi, oftmals SEO-Taucher aber immer bin ich einer, der wo in das Internet hineinschreibt, aber ohne nachgelagertes Verlagshaus auskommen muss.

    Und wer auf RTLII in einer unterirdischen Auto-Sendung mitspielt, darf sich vermutlich keine Urteile über “Journalistische Leistungen” erlauben. Lasst den dahinsiechenden den letzten Ruhm. Sowas verstreicht wie der Muff über einem Grab, mit der Zeit, mit dem Wind.

  5. Ich lese tatsächlich auch lieber Schulaufsätzchen als aufgesetzte Profischreibe …

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