Auf Langstreckenflügen – und für eine Privatperson habe ich davon doch schon ein paar mitgemacht – ist es so, dass es drei Klassen gibt: First, Business und Holz. Je nach Fliegertyp kann man das Glück haben, durch die ersten beiden Klassen gehen zu dürfen, um sich dann in dem letzten Drittel in seinen Sitz zu klemmen. Eben hat man noch das Sofa der First und den coolen Sessel der Business Class passiert, da merkt man, dass man doch deutlich weniger Platz hat, als die Mehrzahler.
Vor zwei Jahren bin ich mal Lastminute geflogen und hatte mich mal in die erste Holzreihe hinter der Business class gesetzt. Ein ganz böser Fehler, voll Neid zerfressen bin ich aus dem Flieger gestiegen, weil ich – selbst eingeklemmt in meinen Sitz, mitansehen musste, wie man sich im Premium-Sessel räkelte und mit echtem Porzellan bedient wurde. Auf einem anderen Flug bin ich beim Verlassen des Fliegers durch die bereits verlassene erste Klasse gelaufen. Da sah es aus, als hätten sie eine Orgie gefeiert, so viele Kissen und Decken, wie da auf den Sofas (oder „Sitzmuschel“ wäre treffender, wenn man bereit ist, sich eine sehr sehr sehr geräumige Muschel vorzustellen) lagen.
Egal, jetzt jammer ich mal nicht. Heute kann ich eine dieser Sachen auf meiner langen Liste „things to do before I die“ abhaken. Und das ist prima so.
Ich sitze also in einem Flieger, interkontinentaler Flug, Busines Class. Verdammt, so cool ich auch wirken möchte, das ist nun mal alles Neuland für mich. Mein Sitznachbar ist ein Print-Redakteur und meint, die Sitze wären doof, weil er am Gang sitzt und nicht weiß, wo er seine Decke und sein Kissen hinlegen soll. Ich frage ihn, wann er denn das letzte Mal in der Holzklasse über den Atlantik geflogen ist. Danach ist unser Gespräch auch irgendwie schon beendet.

Ich bin ja keine 20 mehr, also fische ich die Bedienungsanleitung vom dem Luxussessel aus der Tasche vor meinem Sitz. Das geht ganz einfach, weil diese Tasche mir nicht wie erwartet an den Knieen scheuert, sondern sich etwa 1.5m vor mir befindet, was dem Platzangebot entspricht, welches meine Beine wohlig begrüßen. Diesen Platz braucht man aber auch, weil sich der Sessel ja elektrisch in ein Bett verschieben lässt. Es ist schon etwas bizarr, wenn man auf einem Nachtflug zur Toilette geht und links und rechts des Ganges, die Leute in ihren Liegen schlafen, als wäre man in einem Schlafraum

Bedienungsanleitung, ja. Stromanschluss… WTF? Ja, ne, klar. Verdammt, meine Ladeteile befinden sich in meinem Koffer im Frachtraum, das USB-Kabel kann ich aber immerhin nutzen, um iPad und iPhone wieder mit Strom zu befüllen. Ebenso cool, wenn auch nicht so sinnvoll ist die Leseleuchte, die sich in meiner Lehne befindet und mit ein paar LEDs den Lesestoff gezielt beleuchtet, ohne den Nachbarn so zu stören, wie es das Licht von oben tut. Der in den Sitz ausklappbar integrierte Tisch ist übrigens so gross, dass man neben seinem 13″ Notebook noch eine kleine Maus nutzen kann. Oder eben einen Kaffee stellen kann. Wobei das hier anzumerken sei, dass die Kaffee-Tassen in der business class genauso klein sind, wie auf den preiswerten Plätzen.
Ich klappe mal das Display aus, auf dem ich mir das mediale Angebot des Fluges anschauen kann. Das Display ist einen Hauch größer als mein iPad, läßt aber die Schärfe vermissen. Das Angebot von Filmen, so merke ich beim Rumklicken auf der Fernbedienung, spricht mich jedoch nicht wirklich an.
Aber auf der Fernbedienung findet sich ein Knopf – also da sind jede Menge Knöpfe, aber dieser ist eben beschriftet mit – „Massage“. M-A-S-S-A-G-E!! Ich Rutsche fast vom Stuhl! Im Verlaufe der folgenden 9 Stunden drücke ich diesen Knopf oft. Nicht, weil mein Rücken auch nur ansatzweise Zicken würde, nein, nur weil ich kann! Zudem ist die Massage durchaus angenehm.
Während ich diese Zeilen tippe, bricht die sechste Stunde an, die ich in diesem Sessel verbringe. Ich habe ein wenig geschlafen, ich hatte Essen, ich habe gelesen. Mir geht es prächtig. Vor allem meine sonst böse schmerzenden Knie sind so entspannt, wie nur möglich. Fantastisch. Ich habe mir übrigens die Schuhe ausgezogen. Nicht nur weil ich den Platz dafür hatte, sondern weil ich ein eigenes Schuhfach habe…
Bleibt nur ein Problem. Wie soll ich mich beim nächsten, selbstbezahlten Flug wieder hinten in einen Sitz zwängen?
12. Januar 2012 um 06:45 Uhr
Das ist das Problem: Wenn man einmal interkontinental in der Business Klasse geflogen ist, dann ist man für das restliche Fliegerleben versaut. Einfach weil man immer weiß wie das Paradies ausgesehen hat. Und man wieder in der Hölle sitzt.
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