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[blog]Transparenz und Zeug

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Heute mal wieder ganz selbstreferenziert unterwegs: In seinem Beitrag Wie und warum man als Blogger Transparenz beachtet stellt Robert Basic die These auf: Gerade privat betriebene Blogs, die nicht zu einer Marke gehören, stehen unter einer höheren Anforderung. Wenn sie denn werbliche Maßnahmen jeglicher Art (Affiliate, AdSense, …) vornehmen. Warum? Im Gegensatz zu klassischen Medien existiert weder eine rechtlich explizite Vorschrift noch ein Codex, Werbung von publizistischen Inhalten klar zu trennen.

Ich finde diese ganze Diskussion ziemlich befremdlich. Und mir geht es nicht darum, etwas zu verheimlichen, ich schreibe auch ganz offen und ehrlich, dass ich käuflich bin.

Mal ein Beispiel: Ich bekomme eine Notebook-Tasche zugeschickt. Ich sehe mir die an und finde die wirklich klasse. So klasse, dass ich einen Beitrag darüber schreibe. Als ich mich erkundige, wohin ich die Tasche zuückschicken soll, sagt man mir, ich kann diese behalten. Nach Roberts Meinung müsste ich dann unter dem Artikel noch schreiben, dass ich die Tasche nach der Veröffentlichung des Artikels behalten darf? Wozu? Inwieweit ist das denn für den Leser eine relevante Information? Ich sehe das eher so, dass es ein quasi Eingeständnis ist, dass mein Urteil nicht objektiv ist/war.

Selbst in dem Fall, dass mir der Hersteller eine Tasche schickt mit dem Hinweis „Wenn Du über unsere Tasche schreibst, dann kannst Du sie behalten.“ gibt es doch eigentlich nur zwei Fälle: die Tasche ist toll oder die Tasche ist Schrott. Wenn die Tasche Schrott ist – warum sollte ich dann übers sie schreiben, um sie behalten zu dürfen? Und wenn die Tasche toll ist, warum soll ich denn explizit darauf hinweisen, dass ich die Tasche umsonst bekommen habe? Gibt das dem Leser irgendeinen Mehrwert an Informationen?

Wenn ich mir diese Tasche kaufen möchte, dann verlasse ich mich doch eh nicht auf die Meinung eines einzelnen Blogbeitrags, es sei denn ich vertraue dem Blogger. Dieses Vertrauen baue ich doch in der Regel nicht mit dem Lesen eines Beitrags auf.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass man wieder arg bestrebt ist, etwas zu regulieren, was nicht wirklich der Regulierung bedarf. Und ich frage mich auch, in welchem Umfang denn wirklich etwas ausgewiesen werden soll. Liest man die Beitrag wenn Daimler webbish redet von Robert Basic, dann schreibt er wenn Daimler webbish redet dann werden Blogger aus allen Richtungen eingeladen, um am Smart Workshop in Essen teilzunehmen (an dem Nicole und ich mit dabei waren). . Gut. Was heisst eingeladen? Wurden die Fahrtkosten übernommen? Wurden die Teilnehmer verpflegt oder musste man das Essen selbst kaufen? Gab es Kulis und Blöcke umsonst? Blafasel. Selbstverständlich halte ich Robert für vollkommen integer und sauber und überhaupt gehört er wohl eher zu den Gutbloggern.

Trotzdem muss ich ja ein wenig Schmunzeln, wenn die „Grossen“ der Szene sich über die Kleinen echauffieren, weil die hier und da mal ein paar Euro gemacht haben. Stellt man nämlich die Kosten dieses Workshops pro Blogger in Relation zu dem kleinen Michel, der für 50 Euro einen Link verkauft hat, dann sieht man wohl schnell, worauf ich hinaus will.

Ganz interessant find eich auch, wenn man das Ganze mal unter dem Gesichtspunkt Markenbotschafter sieht. Sehr plumpes Beispiel – man sehe sich mal unter rolex.de – Die Welt von Rolex – Sport und Kultur – Kunst und Kultur – Placido Domingo an. Dieser Startenor der Weltklasse ist also Markenbotschafter von Rolex. Bei jedem seiner Auftritte hält er – nicht gezielt – seine Rolex ins Bild und macht somit Werbung für ein Produkt, von dem ich annehme, dass es ihn überzeugt hat. Von dem guten Mann erwartet aber auch niemand, dass er jedes Mal einen Zettel aus der Tasche zieht – „Diese Uhr wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt.“

Letztendlich denke ich, dass ein jeder – ob Blogger oder Leser – selbst entscheiden muss, welche Information er in welcher Art und Weise publiziert oder aufnimmt. Eine Regelung wird da wenig helfen. Zumal solche Regelungen vermutlich eh nur so praxisfern wie möglich sein werden.

Achja. Ich bin käuflich. In der Regel verkaufe ich mich aber nicht. Will sagen: Ja, ich nehme Geld für Beiträge, die ich verfasse – auch wenn das stark abgenommen hat. Ja, ich erlaube, dass irgendwo Links in alten Artikeln gesetzt werden. Ja, ich schreibe, wenn mir etwas gefällt – auch wenn ich es umsonst bekommen habe. Aber dann – nein, ich schreibe nichts positives, wenn es nichts positives zu schreiben gibt. Wer meine alten Trigami-Beiträge mal gelesen hat, der weiss, was ich meine. Ich zwinge auch niemanden, meine Beiträge zu lesen. Und wer sich nur basierend auf meinem Urteil ein Produkt kauft, der sollte sich eh Fragen, ob so ein Weg generell der richtige ist ( für den Fall – Nikon D3s muss man haben. Am besten sofort bestellen. Am besten gleich 1000 Leute, dann kann ich mir auch eine kaufen und schiebe den passenden Artikel noch nach).

Blafasel. Ich höre besser auf.

3 Kommentare

  1. Das hätte ich geflattered. Für den Beitrag hätte ich Geld gezahlt!

    Du hast so Recht. Nur: Warum regst Du Dich denn noch immer immer so über die ganzen A-Blogger auf? Lass die sich doch gegenseitig zerschreddern in ihrem Regulierungswahn, wer was wie wo bloggen darf.

    Mach einfach weiter. Denn es ist für mich viel wichtiger, was ich über Dein Blog denke, als das, was irgendsoeine Flitzpiepe denkt.

    Wo kann ich den Blog-Artikel verkaufen? Will Geld.

  2. … DENN Blog-Artikel verkaufen … muss es heißen.

  3. Grundsätzlich muss ich Markus (und auch Dir) zustimmen. Ich für meine Teil habe schon lange keinen A-Blogger mehr gelesen und interessiere mich auch nicht für ihre Diskurse.

    Die Blogs, die ich lese, lese ich weil ich die Menschen mag, die sie schreiben, weil ich sie für tolle, großartige Menschen halte und weil ich das in ihren Texten wiederfinde. Das hat nicht das geringste damit zu tun, wer wem wann warum Geld oder Laptoptaschen schickt.

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