Don Alphonso vs. der Wirre 1:0
Ich habe ja eigentlich zu nix eine Meinung, die dann aber sehr auf meiner nicht existenten Ahnung basiert. Ich lese im Übrigen wohl auch die falschen Blogs. Aber das tut nur bedingt zu Sache. Ich merke, wie ich mich (Achtung!) als Blogger verändere. Nicht unbedingt, in dem was ich schreibe, wohl aber in dem, was ich lese.
Als der Termin zur re:publica ( eine Art Kongress von Bloggern für Bloggern und mit Bloggern ) bekanntgegeben wurde, war ich tief betrübt, dass die so gelegt wurde, dass ich nicht fahren konnte. Heute stört mich das nicht die Bohne. Ich merke immer mehr, wie mich eine Anhäufung meines selbst gewählten Mikrokosmos anödet.
Ich bin müde geworden von all den Leuten, die sich auf die Schulter klopfen, weil sie so hipp sind und so web2.nullig. Die Leute scheinen aber so beschäftigt damit zu sein, dass sie es versäumen, auch etwas von ihrem Wissen mal weiter zu geben. Mit den Blogs ging das zumindest dank Google noch ein Stück weit.
Aber Bloggen ist mittlerweile ja eh eher final und nur beta kickt. Ich finde Twitter lustig. Ohne Frage. Aber trotzdem macht es mich doch arg traurig, dass viele meinen, ein paar Tweets würden einen Blogbeitrag ersetzen. Follow me! Du, sorry, aber soviel Zeit habe ich nicht. Und ich habe auch keine Lust, mir irgendwelche Tools zu installieren, die mir Deine Tweets irgendwie zusammensucht. Macht auch nicht wirklich viel Sinn, denn ich sehe ja eh nur einen Teil der Unterhaltung. Zur Weitergabe von Informationen ist Twitter wirklich nicht brauchbar. Vor allem auch wenig informativ. Während der re:pulica habe ich mich immer mal wieder berauschen lassen. Und jedermal wenn ich ein #rp09 gesehen habe, dachte ich erfreut, ahhh, input … Wahrscheinlich follow/ge ich auch den falschen Leuten. Aber WLAN ist scheisse, weiss jemand, wo die nächste Kippenschleuder ist, bin hier. wo seid ihr? kann ich wenig anfangen.
Der Wirre meint in seinem Beitrag oben – man solle seinen Arsch hochbekommen, selbst aktiv werden. Holschuld statt Bringschuld. Sicher. Ich hätte bestimmt auch irgendeinen Stream ansehen können. Aber dann. Ich will gar kein Pixelfernsehen (Und nur mal so am Rande – ich könnte zumindest son Streamdings ansehen. Ich gehöre ja noch zu den web-zwei-nullern, aber die Idee Lieschen Müller für die grosse Sache zu begeistern ist wohl nicht mehr so aktuell.). Ich will lesen. Meinungen. Zum Beispiel.
Apropos Beispiel. Ein paar Bielefelder Blogboys waren sogar dort. Und haben es geschafft, einen ganzen Beitrag zu verfassen. Vom Tag 0. Das ist nur ein Beispiel. Ich habe 111 Feeds abonniert, die Blogboys sind nur einer davon.
Ich will jetzt gar nicht in das früher war alles besser-Horn tröten. Aber früher hatte das Bloggen meines Erachtens mal etwas von spread the word – so banal the word auch sein mochte. Und so schwer mir das auch fällt – ich Gewohnheitstier und Prinzipienreiter – die Texte von Don Alphonso lösen bei mir immer öfter ein bestätigendes Kopfnicken aus.
Und nein, Lieschen Müller wird diese Zeilen nicht verstehen, die ist aber auch gar nicht die Adressatin gerade.
6. April 2009 um 22:09 Uhr
Tatsächlich hast Du Recht. Das ganze war so uninspirierend und fortschrittslos, dass ich irgendwie gar keinen Bock habe, mehr darüber zu bloggen. Sollte diese Unlust anhalten, findest Du bei Gerrit van Akken eine Zusammenfassung, die meine Meinung zu einem großen Teil trifft: http://praegnanz.de/weblog/kritik-an-der-republica-09
6. April 2009 um 22:57 Uhr
Habe jetzt doch was gebloggt dazu: http://www.blogboys.de/2009/04/06/allgemeines/republica-09-wars-das.html
6. April 2009 um 22:59 Uhr
Öhm, wer behauptet denn, dass Twitter Blogs ersetzen würden? Ich kenne da niemanden, der noch halbwegs bei geistiger Gesundheit ist. Nicht einmal unter den Hardcore-Twitteren.
Twitter ist Smalltalk, bestenfalls noch Flurfunk. Beides funktioniert besser, wenn man die Leute und ihre Kommunikationsverhalten kennt, denen man da zuhört.
Und wer bitte hat eine Bringschuld? Die – aeh – web2.0-nulligen Hippster? Herrje.
7. April 2009 um 07:59 Uhr
Danke, Markus.
@jo, ich behaupte das. In meinem Dunstkreis füllen diverse Leute ihre Blogs nimmer. Was sie zu sagen haben, sagen sie mit 140 Zeichen. Andere verpacken das dann irgendwie anders, wie der admartinator.de : „Blogs sind tot. Ok – vielleicht noch nicht ganz, aber fast. Denn seit Microblogging via Twitter und Co. verliert das populäre Medium die Schnelligkeit, die noch vor kurzer Zeit den Reiz des Bloggens ausgemacht hat. Auch ohne den klassischen Blog hinterlasse ich Spuren im Netz. Ein paar davon sammle ich in diesem Lifestream.“ Ich meine schon, da einen gewissen Trend auszumachen.
7. April 2009 um 10:11 Uhr
Und die Sache ist ja die:
Die FAZ hat die Kolummne von Don Alphonso in ein Blog gepackt, da es dem Herausgeber wohl irgendwie zeitgemäß erschien. Es bleiben aber Beiträge eines Profis in einer renommierten Zeitschrift (oder deren Online-Angebot), die auch gelesen würde, wenn es als Kolummne bezeichnet würde. Denn der Inhalt ist entscheidend. Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass sich Don Alphonso nicht die Bohne um andere Blogs schert. Die ganze Blogwelt betreibt diese unentwegte Nabelschau doch nur aus dem Grunde, weil sich sonst kaum jemand für sie interessiert.