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Rant: BarCamps sind Mainstream.

| 7 Kommentare

Beim Überfliegen der Impressionen anderer Teilnehmer des BarCamps Berlin 3 sind mir ein zwei Stimmen aufgefallen:

  • Basic Thinking: Die letzten drei Barcamps waren auf alle Fälle eher mainstreamig zu nennen.
  • kopfzeiler: Der konkrete Anlass für dieses Posting ist nicht nur das Barcamp vom Wochenende, wo im Gegensatz zu 2007 neben der “Szene“ und den üblichen Web 2.0-Hochstaplern auch viele neue, post-technophile Gesichter zu sehen waren. Denn der Weg solcher Veranstaltungen in den Mainstream ist nur ein Symptom für das, was sich schon länger mit deutschen Blogs abspielt.

Aha. Mainstream. Jo. Sicher. Ich wundere mich. Mainstream laut Wikipedia: Der Mainstream spiegelt den kulturellen Geschmack einer großen Mehrheit wider, im Gegensatz zu Subkulturen oder dem ästhetischen Underground. In meiner Familie und unter nicht Web2.0-befleckten Leuten sehe ich nur ein grosses Fragezeichen, wenn ich von einem Barcamp erzähle. Twitter? Bloggen? Flickr? Wasndasn? Barcamp? Wie Du robbst da mit anderen durch den Dreck und lässt Dich anschreien? Nicht ganz.

Sicherlich bin ich überhaupt kein BarCamp-Experte. Ich war bislang erst auf dem Wordcamp in Hamburg und bei den Barcamps in Hannover, Essen und eben jetzt in Berlin. Einen Trend zum Mainstream kann ich nicht erkennen. Vielleicht aber, weil ich Teil des Mainstreams bin. Ich habe kein Startup gegründet, ich bin kein genialer Selbstvermarkter und auch wenn ich im Webumfeld arbeite, stehe ich dem ganzen Web2.0-Rummel doch eher skeptisch gegenüber.

Dennoch ist die Institution BarCamp für mich ein super Sache. Früher hat man ja Fortbildungen gebucht. Mal davon abgesehen, dass viele Schulungsunternehmen beim ersten Blasensprung gleich mit Hops gegangen sind, gibt es doch wenige Schulngen, die mich persönlich oder auch fachlich in meinem Gebiet voranbringen können. Da profitiere ich durchaus von den Inhalten der Sessions auf den BarCamps.

Für mich muss das auch nicht besonders extravagant sein. Das Themenspektrum. Mir reicht es schon, wenn man sich über die verschiedenen Aspekte austauschen kann oder auch nur sein Wissen auffrischen kann. Und sicherlich, je grösser und professioneller die Veranstaltungen werden, umso mehr ziehen sie dann auch Leute wie mich an. Leute ohne tieferes Spezialwissen. Ja, ich denke, ich bin der Mainstream. Also ein Teil davon.

Doch wenn ich mir ein paar dieser Barcamp-Ikonenn ansehe. Also die Gesichter, die ich auf jedem Camp gesehen habe, dann sind die eigentlich auch nur Mainstream. Der eine hält immer die gleiche Session. Der andere lungert eigentlich eher immer nur in den Ruhezonen rum. Die da, die sehe ich immer draussen bei den Rauchern stehen. Da denke ich dann auch, warum Du hier und nicht vor einer Meute wissbegieriger Leute.

Wenn der gute Robert festhält, dass die letzten BarCamps eher mainstreamig waren, dann muss er sich wohl zunächst an seine eigene Nase fassen. Gleiches gilt für den kopfzeiler ( hier hänge ich mich jetzt etwas aus dem Fenster, weil ich nicht weiss, ob Joha eine eigene Session angeboten hat ). Denn – soweit ich das Prinzip des Barcamps verstanden habe, soll man sich einbrigen. Und das kann man dann ja auch mit Undergroundthemen. Das Problem wird nur sein, dass wir Mainstreamleute uns wohlmöglich dafür interessieren. Und dann. Dann ist es 1 2 3 im Prinzip auch nur Mainstream.

Ich bin mir ja nicht so sicher, wo das alles hinführen soll. Aber ich freue mich, wenn immer mehr Leute von den Vorteilen, die das Web2.0 bietet, profitieren. Ich brauche nicht die Gewissheit, dass ich zu einer Pseudo-Elite gehöre, die über Sachen spricht, die kein Mensch versteht. Und ich habe auch schon oft Anregungen von Leuten bekommen, die fachlich weit weniger drauf hatten als ich, aber durch eben diese eher unschuldige Sicht der Dinge, mir ganz andere Perspektiven aufgezeigt haben.

BarCamps sind Mainstream? Ich habe nichts dagegen.

7 Kommentare

  1. Einspruch der Herr;) Ich schrieb vorher:
    „Die große Aufgeregheit der vergangenen Jahre scheint vorbei, so macht sich ein gewisser Mangel an neuen, spritzigen und anregeden Ideen wie auch Gedanken bemerkbar. Das, was man generell hört, entspricht eher einer routinierten Umsetzung und Professionalisierung. Unabhängig des finanziellen Downturns. Ich meine das eher mental denn kommerziell.“
    Was ist Mainstream? Die routinierte, unaufgeregte Umsetzung ehemals spinnerter Ideen. Mich interessieren aber neue Ideen, weniger das, was durchgedacht ist.

  2. Mainstream. Aha.

    Mach doch mal eine Umfrage auf der Straße was ein BarCamp ist. Meinetwegen auch in der Fußgängerzone einer Uni-Stadt. Wenn es 1% weiß, ist das viel. Wetten?

  3. wir reden doch nicht von dem Barcamp als Event, sondern von den Inhalten;)

  4. Wenn Du genau liest siehst Du, dass ich überhaupt nichts gegen Mainstream-Barcamps habe. Im Gegenteil, sie helfen dabei, die ganze Chose etwas weniger als Phänomen oder Szene zu betrachten.

    Bloggen ist inzwischen längst jenseits der wahrnehmbaren üblichen Verdächtigen angelangt, die wir mit der „deutschen Blogosphäre“ assoziieren. Wir bewegen uns weg von der Meta, hin zum realen Leben, auch wenn die Meta hauptsächlich auf den gängigen Portalen abgebildet wird. Aber die selbstreferentiellen Diskussionen werden immer weiter zurückgehen, denn Blogs stiften in Zukunft keine Identität, sie sind schlicht ein Publikationswerkzeug für jedermann.

    Um meiner Aussage Nachdruck zu verleihen, müsste sich dieser Kommentar eigentlich in zehn Sekunden selbst zerstören. Aber es reicht, dass er sehr bald niemanden mehr interessieren wird.

  5. Und mir sagst du (jog), du liest keine Blogs… 😉

    Ich könnte mir übrigens vorstellen, dass es derzeit vielleicht etwas viele dieser Veranstaltungen gibt. Und ehrlich gesagt: Mir ist Mainstream ganz recht. Da verstehe ich wenigstens ein bisschen was, als wenn das alles zu abgefahren ist. Schließlich gehöre ich… ach, du weißt ja 😉
    Wo sonst hat man ansonsten überhaupt eine Chance, sich (außer allein vor der Kiste) hinsichtlich Web2.0 und diesem ganzen Kram fortzubilden?

  6. @Robert Ich habe Dich schon verstanden. Meine aber auch, dass ich auf die Themen dann eingehe, auch wenn ich es etwas vermische.

  7. übrigens, ich wollte schon tatsächlich „Nun eine kleine Werbepause“ antworten, für eine Sekunde:)) Das war fst eine Sekunde zuviel, was mich zwischen Super-DAU und Blogger getrennt hat:)))

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