powerbook_blog

klein, praktisch, unverdaulich seit 2004

Die 7 größten Fehler von Blog-Neulingen und wie man sie sicher vermeidet

| 32 Kommentare

Kennt ihr das. ihr habt mal einen Feed abonniert und alle Beiträge, die ihr dort lest, regen Euch eigentlich nur auf. Eigentlich sollte man den Feed 1 2 3 aus dem Reader schmeissen, aber man regt sich doch so gerne auf. So geht es mir mit probloggerworld.de. Wenn ich mehr Lust und Zeit hätte, dann hätte ich in den letzten Wochen jeden einzelnen Artikel dort am liebsten zerlegt und verbal in der Luft zerissen.

Ich bin ja nicht so für Regulierung, aber manchmal sollte es doch sowas wie eine Plausibilitätsprüfung für Domainnamen geben. So damit Leute, wie ich, nicht eine Domain wie sexy-boy.de bekommen oder eben der Author des o.g. Blogs eine Domain mit dem Namen PRO BLOGGER WORLD bekommt oder behalten darf.

Ja, man mag es kaum glauben, aber selbst meine zarte Seele könnte mal einen Text raushauen wie: Ich möchte nicht mehr dieser „Blogosphäre“ angehören und ich möchte kein Blogger mehr sein. Warum nicht? Weil ich mit den meisten Personen dieser Schublade im realen Leben noch nicht mal ein Bier trinken gehen würde. Weil wir keine Gemeinsamkeiten haben, weil ich viele von ihnen abgrundtief zu hassen gelernt habe… Für mich ist es nicht erstrebenswert dieser Web 2.0. Jubelperser-, Speichellecker-, SEO Dumpfbacken-, und Selbstdarsteller-Gesellschaft weiterhin anzugehören. Im Grunde habe ich sie schon immer gehasst und meine Spucke auf dem Monitor ist noch die harmloseste Art meiner Geringschätzung für dieses Phänomen. Ich möchte nicht dabei sein, wenn sie sich gegenseitig die Eier schaukeln und sich gegenseitig abfeiern als wären sie der neue Netz-Heiland.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Sehen wir uns doch mal, die sieben Todsünden an, die der werte Kollege da zusammengetragen hat:

1. Absolute Unkenntnis der technischen Begebenheiten des Internets im allgemeinen und der Blogosphäre im speziellen
Meines Erachtens braucht man keine Ahnung von dem ganzen Technik-Gedöns. Ist auch völlig unspannend. Zick zack auf blogger.de oder sonstwo registrieren, sich kurz umgucken und dann in die Tasten hauen. Das reicht. Wenn Du was zu sagen hast. Wenn Du nichts zu sagen hast, ist es aber sicherlich echt ratsam, sich erstmal zwei Monate mit Technik-Gedöns zu beschäftigen, bis Du dann merkst, dass Du wirklich nichts zu sagen hast.

2. Bloggen ist kein Sprint, sondern ein Marathon
Ich laufe ja gerne. Aber weder sprinte ich (es sei denn irgendwer hat seinen Bullterrier nicht angeleint), noch muss ich mir die Langstrecke antun ( obgleich irgendwann mal der Tag kommen wird, an dem ich die 42 km schaffe ). Wenn man überhaupt eine Paralele zwischen dem schönen Laufsport und dem Bloggen finden möchte, dann wohl eher sowas wie Bewegung tut gut.

3. Kein klares Blog-Profil und keine eindeutiger Fokus und Ziel
Das ist meines Erachtens eklatanter Schwachsinn. Wer etwas zu sagen hat und dann vielleicht auch noch über die gottgegebene ( oder aber darwinistisch vererbte ) Gabe verfügt, dies in adrett lesbare Sätze zu packen, der braucht weder ein klares Profil, noch einen Fokus noch ein Ziel. Ich kenne da einen Blogger ziemlich gut, der weder die Gabe besitzt, noch Profil, Fokus und Ziel hat und sich dennoch einer lustigen Leserschaft erfreut.

4. Falsche und damit zumeist völlig überzogene Erwartungen bzgl. Traffic und Geld-Verdienstmöglichkeiten
Hm? Was hat das denn mit dem Bloggen zu tun? Achso. Da schliesst wohl jemand von sich auf andere. Es soll ja Blogger geben, die weder Werbung schalten noch Google Ihre Beiträge indizieren lassen. Und – Achtung, hier kommt wohl ein Wunder – die haben trotzdem eine Leserschaft und es macht ihnen auch noch Spass zu bloggen.

5. Keine PR-Strategie, um Leser gezielt und systematisch erschließen zu können
Oh ja. Ich vergass. Erst gestern sprach ich mit meinem PR-Berater. Der sagte mir dann auch, dass ich unbedingt mehr Katen-Kontent bringen müsste. Und Titten. Und überhaupt. Ne, ist klar. PR-Strategie. Also, ich blogge ja erst seit 3 Jahren. Ich habe nicht so richtig Ahnung von der Materie. Aber ich hatte bislang so das Gefühl, dass sich die Leser selbst ganz gut eine Meinung dazu bilden können, was ihnen gefällt und was nicht.

6. Falsche Textgestaltung und fehlende Berücksichtigung der Lesegewohnheiten im Internet
Ne. Auch völlig unrichtig. Oder andersrum. Wenn Du eh nichts zu sagen hast, dann solltest Du das wirklich adrett aufhübschen. Vielleicht klaut jemand wenigstens Dein Design. Aber wenn Du was zu sagen hast, dann mach Dir mal keinen Kopf, in welcher Verpackung Du das tust. Sollte Deine Gestaltung wirklich Augenkrebs fördernd sein, dann werden sich Deine Leser schon melden.

7. Das Nichtberücksichtigen von Infos, Tips und Tricks der Experten
Nun ja. Klar. So kann man das wohl sagen. Man kann es auch ganz anders sehen. Mach wie Du willst und höre keinem anderen zu. Schon gar keiner Person, die sich als Experte bezeichnet. Es gibt sicherlich Blogger, die schon lange dabei sind. Es gibt Blogger, die können toll schreiben. Es gibt Blogger, die kredenzen uns hübsch aufbereitet wichtige Informationen. Es gibt Blogger, die haben eine Meinung. Es gibt Blogger, die haben etwas zu sagen. Aber wenn ihr mich fragt – es gibt keine Blog-Experten. Basta.

Ok, sollte sich wirklich jemand für das Bloggen interessieren und sich irgendwie auf meine bescheidenen Seiten verirren, dann möchte ich folgendes gesagt haben: Hast Du schon mal jemand sagen hören So, ich werde mich jetzt mal verlieben! Nicht? Ist wohl auch eher schwer. Zumindest wenn man käufliche Liebe mal aussen vor lässt. So wirst Du auch nie ein Blogger. Entweder bist Du einer oder nicht. Und das kannst Du nur rausfinden, in dem Du einfach mal anfängst zu schreiben. Alles weitere wird sich ergeben.

So. jetzt habe ich einen Trackback verschenkt und dafür einen Feed weniger im Reader.

32 Kommentare

  1. Grandios. Punkt 1 (Eigener Server / WordPress / SEO) sagt wirklich schon alles.

  2. Jeder Deiner hier angeführten 7 Punkte hat seinen „Funken Wahrheit“. Aber besonders Nummer 7 gefällt mir sehr gut „… es gibt keine Blog-Experten. Basta. Die Qualität eines Blogs liegt nicht in seiner Quantität, sprich täglich 15 und mehr Beiträge zu tippen. Und nur auf der Jagd nach einem Pagerank zu sein ist sowieso in meinen Augen kein Bloggrund. Durch die Neugestaltung meines Blogs habe ich meinen PR komplett verloren, na und. Ich schreibe weil es mir Spaß macht.

    Mit ein Grund des heillosen Durcheinanders liegt aber auch daran, dass es zu viele unterschiedliche Meinungen gibt. Das kann insbesondere Neulinge schnell auf das Glatteis führen.

  3. Über Probloggerworld bin bei Yigg gestolpert, weil der Bursche vor einiger Zeit alle seine Artkeil auf die Frontpage schieben lassen hat. Scheinbar hat er aber irgendwann gelernt, dass sowas nach hinten losgeht.

    (Übrigens, Yigg nervt auch gewaltig, weil die es nicht begreifen, dass die Selbstverlinker, Rankophilen, Ad-Blogger, Speichellecker, Jubelperser und SEO-Dumpfbacken eigentlich die Feinde von Prinzips „Social News“ sind. Stattdessen wanzen sie sich an die SEO-Community ran und nehmen SEOs und Fürgeldblogger als Moderatoren.)

  4. Das ist bloß ein Trick, um Konkurrenz zu verhindern. Neueinsteiger, die glauben, dass Schreiben Spaß macht, sollen vom Bloggen abgehalten werden. Das Ziel: Alle Blogs sollen so langweilig werden wie „probloggerworld.de“.

  5. Moinsen. Und ich dachte immer nur ich würde über pro-blogger-world kritisch denken, aber ich bin dann doch nicht alleine auf dieser Welt :)

  6. Naja. Der Name „PRObloggerworld“ sagt doch schon recht deutlich, in welche Richtung der streng duftende Wind dieser Richtlinien weht.
    Jedenfalls nicht in meine.

  7. Hehe, sehr gut.

    Du hast einen Feedleser mehr.

  8. 😉

    und noch ein Feedleser mehr.

  9. Mit deinem Beitrag kann ein Blog-Neuling wohl wesentlich mehr anfangen. Klasse geschrieben!

    @ MAWSpitau: Mit deinem kritischen Blick bist du nicht allein auf dieser Welt.

    Und noch eine Anmerkung: Da war doch was mit dem nofollow-Attribut in Links. 😉

  10. Pingback: Patsy Jones - nippifippi hell yeah » Blog Archiv » Regeln? Um Gottes Willen!!!

  11. … manchmal finde ich doch noch Blogeinträge, die mir aus der Seele sprechen :-)

  12. Danke schön für das ganze freundliche Feedback

    Ich überlege jetzt, wen ich als nächstes disse. Man scheint so gut an neue Leser zu kommen 😉

  13. ah, der „problogger“ hat wohl eine größere „fangemeinde“ als ich dachte…
    lustig war schon die auseinadersetzung mit dem buergermeister, auch wenn das etwas ausartete…

  14. Pingback: Seo Watchblog

  15. hahah, ja mir gehts genauso.. ich weiss nie, ob ich lachen oder weinen soll, wenn ich den müll bei probloggerworld lese, trotzdem hab ich ihn im reader, ganz komisch ist das..

  16. @Nils: Vielleicht hast Du ihn genau deswegen im Reader, damit Du Dich bewusst in einen Gefühlszwiespalt begeben kannst 😉

  17. hihi, den kannte ich ja noch gar nicht. den les ich mir jetzt mal durch, vielleicht lern ich ja noch was…problogger…gnihihihiiiii

  18. Pingback: momworx » Mist, wieder alles falsch gemacht.

  19. Und ich dachte schon, bloggen ist was höchst kompliziertes mit dem man Geld verdienen muß um erfolgreich zu sein.

  20. Hier brennt ja die Erde in den Kommentaren. Deshalb nur soviel: Deine Erklärung zu Punkt 4 – das bin ja ich! Ansonsten: selten haben ich soviel gequirrlte Scheiße übers Bloggen gelesen, wie in dem zurecht von Dir zerissenen Artikel, da ist mir sogar Journalisten mit ihrer „Blogger sind alle Dilletanten“-Attitüde und sogar Herr Klowände von Matt lieber, als so ein BWL-Blogger, so ein Blogyuppy wie der Prodingenskirchenstönsel.

  21. Pingback: Kurz verlinkt (10) « Stefan Niggemeier

  22. was die welt braucht, sind noch mehr google-optimierte blogs mit seo-content… 😉

    in diesem sinne „avanti, dilletanti!!“

    nimue
    (wordpresschrauberundfürsichselbstschreiberin)

  23. Pingback: Uwe » Eine Liste, die man Prag zerknüppelt und im Sarg verpackt die Karlsbrücke hinunter geworfen hätte

  24. Full ACK. Vor allem der siebte Tipp ist ja wirklich gruselig.

  25. Nette Aussage ist auch diese:

    […] sprechen für WordPress, zudem kostet es nichts, denn WP ist Open-Source-Software[…]

    Was hat Open-Source mit kostenlos zu tun?
    „It’s free“ bedeutet nun mal nicht, dass man es kostenlos nutzen kann, sondern, dass es „quelloffen“ ist.

    Die interessante Frage ist, was die Lizenz (!) zur Nutzung vorsieht – diese bestimmt, ob man zahlen muss oder nicht.

  26. Schöner Text.

    Und Zack, schnell mal deinen Feed abonniert.

  27. Katen-Kontent

    Kruzifixnochmal – warum hat mich mein PR-Berater nie darauf hingewiesen, dass die Abbildung und Diskussion rund um ostwestfälische Bauernhäuschen ein „must have“ ist, und meinem „core asset“ die entscheidende Wendung hin zur Glaubwürdigkeit gibt, damit dass das mit dem Blog auch mal klappt.

  28. Pingback: Bloggen, ein Glaubensbekenntnis | Blog Kommunikation

  29. Pingback: Das Wort zum Sonntag : QuerFormat

  30. Oh mein Gott, du sprichst mir so aus der Seele. Probloggerworld ist der reinste Kommerz. Schreibt nur Müllartikel zu Youporn, Pornhub & Co… einfach erbärmlich dieser Rene Kriest.

  31. Pingback: Leute, wie die Zeit verrinnt « Nicht spurlos

  32. Ich bin verliebt ^^ genialer blog und mehr als aufbauend. so gesehen. DANKE^^

Schreib einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.