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Wir kiffen …

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Letzten Donnerstag habe ich beim Zappen das Ende eines Panorama-Berichtes mitbekommen, in dem es um den Haschkonsum von Schülern. Das, was ich da gesehen habe, war doch ziemlich erschreckend.

Zwei 14jährige, die sich schon morgens vor der Schule drei Köpfe mit einer Blubber wegziehen. Während der Schulzeit würde dann ein Stickie während der Pause geraucht, nach der Schule dann wieder in regelmäßigen Abständen (ich meine 45 Minuten) Blubber. Das sich das nachhaltig schädlich auf den jungen Körper und auch auf die junge Psyche auswirkt, leuchtet, so denke ich, wirklich jedem ein.

Interessant fand ich, dass der Beitrag behauptet hat, der ansteigende Konsum von jungen Cannabis-Konsumenten hätte mit der Verharmlosung der Droge durch Eltern und Lehrer zu tun. Salopp ausgedrückt: Die Erwachsenen von heute sind eine Generation von Kiffern, die am kiffen nichts schlimmes finden können.

Hmmm. Sicherlich bin auch ich jemand, der meint, dass Cannabis-Produkte legalisiert werden sollten. Ob ich im gleichen Zuge meine heranwachsenden Tochter ermutigen würde, Grass zu rauchen bezweifle ich jedoch stark. Vielmehr denke ich, dass ich mich zeitnah mit ihr über Drogen im Allgemeinen – und dazu zählt in meinen Augen Cannabis genauso wie Alkohol und Nikotin – unterhalten werde, und versuchen möchte, sie davon zu überzeugen, dass – egal welche dieser Drogen – ihr regelmäßiger und/oder übermäßiger Konsum ihr schadet.

Der Panorama-Bericht verweist auf eine Studie der Stadt Hamburg [PDF]. Ich frage mich, ob die Autoren des Panorama-Berichtes diese Studie wirklich von vorne bis hinten gelesen haben.

Danach haben über 40 Prozent der 14- bis 18-Jährigen schon einmal gekifft, die meisten tun das sogar regelmäßig. Viele von ihnen werden psychisch abhängig. Denn auf der Suche nach dem kurzen Glücksgefühl werden Kinder und Jugendliche antriebsschwach und sind niedergeschlagen. Und das dumpfe Gefühl soll mit dem nächsten Joint wieder verdrängt werden. ist in der Zusammenfassung des Berichtes zu lesen.

So ist in der Studie auf Seite 21 zu lesen Zwei Fünftel der 14 bis 18-jährigen Jugendlichen (40%) geben an, dass sie Cannabis mindestens einmal in ihrem Leben probiert haben. Etwa jeder 5. Jugendliche im Alter von 14 Jahren (22%) und mehr als die Hälfte der 18-Jährigen (51%) blicken auf Erfahrungen mit Haschisch und Marihuana zurück. Wie schon eingangs des Kapitels 6.2 (S.17) erwähnt, sind diese Zahlen zur so genannten Life-Time-Prevalence jedoch mit Zurückhaltung zu interpretieren, da diese nicht zwischen (einmaligem) Probierkonsum und fortgesetztem Gebrauch unterscheiden. Auch hier gilt, dass der aktuelle Umgang mit Cannabisprodukten realistischerweise eher durch die Zahlen zur so genannten Last-Month-Prevalence repräsentiert wird. Danach kann etwa jeder 6. Hamburger Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren (17,3%) als aktueller Cannabiskonsument eingestuft werden.

Liebe Panorama-Redaktion, ich hab Euch bislang immer für sehr akribisch gehalten, warum sind genau 40% bei Euch über 40%, und warum macht ihr aus weniger der Hälfte (17,3%) gleich die meisten davon.

Unstrittig ist sicher, dass der regelmäßige Konsum von Cannabis-Produkten bei Jugendlichen zu Schäden führt. Dies gilt mE aber ebenfalls für die legalen Drogen (zumindest für Alkohol). Interessant ist nämlich auch, dass die Studie besagt: Etwa 71% der Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren haben schon einmal geraucht, 44% geben einen aktuellen Konsum von Tabak an. Das durchschnittliche Alter des Erstkonsums liegt bei 12,8 Jahren. (Site 20) und Unter allen Rauschmitteln ist Alkohol die Droge, die unabhängig vom Geschlecht und Alter der Jugendlichen den größten Zuspruch findet. Bereits in der Altersgruppe der 14-Jährigen geben vier Fünftel der Befragten (80%) an, dass sie schon mal Alkohol getrunken haben (vgl. Abbildung 6), und weit mehr als die Hälfte von ihnen (46%) bekunden einen aktuellen Konsum. (Seite 18). Im Vergleich zu den oben genannten Zahlen von Cannabis ist hier auch unbedingt mal in Relation zu sehen: Bereits im Alter von 15 Jahren haben mehr als 60% von ihnen Erfahrungen mit Alcopops, rund 35% der unter 18-Jährigen – also gut ein Drittel derer, die laut Jugendschutzgesetz (§ 4, Abs. 1, Nr. 1) keinen Zugriff auf diese branntweinhaltigen Getränke haben dürften – trinken sie mehrmals im Monat und immerhin 10% geben sogar einen mehrmals wöchentlichen Konsum dieser Form des Alkohols an.

Auch nicht uninteressant: Mit Blick auf das Ausmaß des Umgangs mit Haschisch und Marihuana sei an dieser Stelle noch auf seine offensichtlich enge Verknüpfung mit dem RaucherInnenstatus der Jugendlichen und jungen Erwachsenen hingewiesen: Es zeigt sich nämlich, dass nur 5% der Tabak abstinenten Jugendlichen Erfahrungen mit Cannabisprodukten haben, und gerade mal 2 von 100 NichtraucherInnen gehen über das Probieren von Haschisch und/oder Marihuana hinaus. Dagegen haben drei Viertel der gewohnheitsmäßigen RaucherInnen (77%) schon einmal Cannabis konsumiert und mehr als ein Drittel von ihnen (38%) kiffen regelmäßig.

Und hier noch etwas für die lieben Politiker: Es überrascht sicher nicht, dass auf der Individualebene im Zusammenhang mit illegalen Drogen Neugier (44%) und der Wunsch, Neues und Aufregendes zu erleben (37%), die am häufigsten genannten Gründe für den Konsum darstellen, und immerhin jede/r 5. KonsumentIn (19%) gibt an, dass vom Verbot bestimmter Drogen für sie/ihn ein Anreiz für deren Gebrauch ausgeht.

Was hingegen schon erschreckend ist: nter den aktuellen KonsumentInnen von Haschisch und Marihuana wird deren Gebrauch in nennenswertem Maße offensichtlich als „kompatibel“ mit dem Schulalltag gesehen, denn immerhin ein Viertel (24%) der regelmäßig kiffenden SchülerInnen nennt den unmittelbaren Schulkontext als Konsumgelegenheit. Bei den aktuell Alkohol gebrauchenden Jugendlichen beträgt der entsprechende Anteil dagegen ‚nur’ 7%.

In der Studie ist noch ein Vergleich des Drogenkonsumverhaltens Jugendlicher aus Hamburg, Frankfurt und Berlin. Mich hätte ja mal ein Ländervergleich interessiert. Beispielsweise zwischen Deutschland, Holland und den USA (wo man ja auch Alkohol den Jugendlichen nicht zugänglich macht).

Bleibt mir abschliessend nur noch hinzuzufügen, dass man unter kimwillkiffen.de auch nichts Neues aus dem Prozess erfährt, obgleich da ja eine Anhörung stattgefunden haben sollte. Weiter wurde ich mal gefragt, ob es nicht sowas wie ein Verzeichnis aller Coffeeshops in Holland gibt. Gibt es! Und auch sowas gibt es: Eklat an der Hauptschule: Lehrerin verteilt Drogen und missbraucht 15-Jährigen – SPIEGEL ONLINE

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